Ratgeber

Blutzucker messen – Gewichtsverlust ohne Kalorienzählen

Dr. Anne Latz ist Ärztin mit einem Master of Scienes in Betriebswirtschaftslehre und einem Doktortitel in Neurowissenschaften.
Dr. Anne Latz

Lifestyle Medicine

Über die Hälfte aller Frauen hat im Laufe ihres Lebens bereits eine Diät ausprobiert. Fleißig wurden Kalorien gezählt, „leichte“ Mahlzeiten genossen und Fette gemieden. Leider haben nur wenige langfristig und vor allem glücklich ihr Wohlfühlgewicht erreicht. Inzwischen ist bekannt, dass die Kalorie keine präzise Beschreibung für die Nährstoffdichte eines Lebensmittels ist oder dafür wie der Körper reagieren wird. Zwei Personen können das gleiche Stück Kuchen essen und dennoch wird es den Körper auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Diese individuelle Reaktion wird unter anderem von unserem Darmmikrobiom bestimmt, aber auch von großen Variablen wie Alter, Gesundheitszustand, Lebensstil und Geschlecht.

Die Lebensphasen von Frauen sind von ständigem Wandel geprägt: Pubertät, zyklische Veränderungen, Schwangerschaft(en), Alterungsprozesse, Wechseljahre. All dies sind physiologisch gesunde Prozesse, die wie eine ausgeklügelte Choreografie unseren Stoffwechsel beeinflussen. Für viele von uns sind sie jedoch oft rätselhaft und komplex. Das Schöne ist, dass wir dank neuer Metriken unsere ganz individuellen Muster sehen, verstehen und unterstützen können. Diese Einzigartigkeit zu entdecken und zu meistern, ist der Schlüssel, um uns langfristig wohl und natürlich schön zu fühlen.

Auch für Gesunde ein Schlüsselwert

Die Messung des individuellen Blutzuckerspiegels hat sich als entscheidende Gesundheitsmetrik etabliert, um das Wissen über den eigenen Körper zu verfeinern. Auch als Blutglukose bekannt, zeigt dieser Wert die Menge Zucker an, die durch unser Blutsystem zirkuliert. Glukose stellt die Haupt- und Lieblingsenergiequelle für unseren Körper dar. Durch die Nahrung, insbesondere Kohlenhydrate und Stärke, gelangt sie in unseren Organismus, wo sie abgebaut und als Brennstoff verwendet wird. Überschüssige Glukose wird in Muskeln und Leber als Glykogen gespeichert, um Energie für Zellregeneration, Wachstum und Vermehrung bereitzustellen, selbst in Ruhephasen. Interessanterweise verbraucht das Gehirn etwa 60 % der Energie.

Der Verlauf unseres Blutzuckerspiegels über den Tag hinweg hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter Ernährung, Bewegung, Schlaf, unterschiedlichste Stressoren – einschließlich unverträglicher Lebensmittel – und Hormone. Ein idealer Blutzuckerverlauf zeigt sanfte Wellen ohne steile Spitzen („Spikes“) und Abstürze („Dips“). Ein unausgeglichener Blutzuckerspiegel macht sich durch Energielosigkeit, Müdigkeit, Heißhunger und unstillbare Gelüste direkt bemerkbar. Mittelfristig durch eine Zunahme von Bauchfett, Beeinträchtigung des Immunsystems und beschleunigte Alterung sowie langfristig verschiedenste Erkrankungen.

Die meisten Menschen wissen nicht, dass ihr Blutzucker sie täglich beeinflusst. Der Blick auf die eigene Blutzuckerchoreografie eröffnet ein Fenster in den eigenen Körper. Eine stabile Kurve ist der beste Schutz vor Heißhungerattacken und „Hangryness“. Die einfachste Methode, die Glukosekurve in Echtzeit ohne Blutentnahme zu messen, ist die Verwendung eines kontinuierlichen Glukosesensors (Continuous Glucose Monitor, kurz CGM), der im Oberarm für bis zu 14 Tage getragen wird und rund um die Uhr Daten liefert. Auf diese Weise können individuelle Muster erkannt und mit äußeren Einflüssen in Verbindung gebracht werden. Die Firma HELLO INSIDE bietet Sensoren in Verbindung mit wissenschaftlich fundierten Coaching-Programmen für Frauen an, die Zyklusbeschwerden haben, sich in den Wechseljahren befinden oder einfach neugierig auf den eigenen Körper sind.

Den Blutzucker messen ohne Stechen ist dank der Verwendung eines kontinuierlichen Glukosesensor möglich.

Bevor wir uns einfache Tricks zur Meisterung der Blutzuckerachterbahn genauer ansehen, gibt es noch einen wichtigen Akteur vorzustellen: das regulatorische Hormon Insulin. Seine Rolle besteht darin, den Blutzucker schnell zu senken und zu entscheiden, ob Glukose direkt verwendet, in Muskeln und der Leber gespeichert oder in Fettzellen eingelagert wird. Insulin agiert wie ein Schlüssel, der die bereitgestellte Energie aus dem Blut in die Zellen transportiert, wo sie benötigt wird. Dadurch sinkt der Glukosespiegel im Blut wieder. Wenn jedoch mehr Glukose aufgenommen wird, als der Körper verarbeiten kann, reagiert dieser, indem er die Ausschüttung von Insulin weiter erhöht, um die Glukose schneller aus dem Blut zu entfernen. Wenn Insulin im Übermaß produziert wird, reagiert der Blutzucker nach einem drastischen Anstieg oft mit einem starken Abfall unter den Ausgangswert. Beides fühlt sich unangenehm an: Ein sehr hoher Blutzuckerzustand „benebelt“ uns und macht müde. Der steile Abfall danach lässt uns trotz kürzlichem Essen hungrig zurück. Im Gehirn wird das Zentrum für „Cravings“, echte Gelüste, aktiviert. Hier beginnt der Teufelskreis der Blutzuckerachterbahn: Heißhunger auf Süßes und schnelle Energie sorgen für einen erneuten starken Glukosereiz, der nächste Blutzuckeranstieg ist vorprogrammiert.

Zum Wunschgewicht durch stabilen Blutzucker

Ein dauerhaft hoher Insulinspiegel hemmt den Fettabbau zur Energiegewinnung und fördert eine Gewichtszunahme. Das heißt: Selbst wenn Sie streng auf Ihren täglichen Kalorienbedarf achten, kann die Aufnahme von Einfachzuckern zu chronisch hohen Blutzuckerwerten und ständigem Insulinreiz führen. Übrigens, „kalorienarm“ deklarierte Produkte haben oft eine geringere Nährstoffqualität, sodass wir bis zu 15 % mehr davon konsumieren. Was verändert also die Blutzuckermetrik?

Denken Sie an die Choreografie des Insulins: Jeder Glukosereiz führt zu einer Insulinfreisetzung. Sei es beim Essen, Trinken von Säften, Schorlen, gesüßtem Kaffee oder auch Fruchtsmoothies und Hafermilchcappuccinos. Als „Nebenwirkung“ hemmt Insulin die Fettverbrennung, solange Kohlenhydrate im Überfluss vorhanden sind. Ein gesunder Blutzuckerbereich hingegen (Normwerte: 80–110 mg/dl) ermöglicht es dem Körper, Insulin zwischen den Mahlzeiten zu senken, Fett zur Energiegewinnung zu verbrennen und daraus Ketone als Hauptenergiequelle zu produzieren. Ein stabiler Blutzuckerspiegel mit ausreichend langen Essenspausen fördert die metabolische Flexibilität und einen effizienten Stoffwechsel. Das Ergebnis: kein aussichtsloses Kalorienzählen mehr.

Ein Tipp zur Selbstreflexion: Ein blutzuckerfreundliches Frühstück hält problemlos vier Stunden satt, wobei ausreichend Proteine entscheidend sind. Die meisten von uns sind unterversorgt mit Proteinen.

Unsere Reaktion auf Essen ist sehr individuell

Bei manchen Menschen lassen Nudeln den Blutzuckerspiegel ansteigen, bei anderen wiederum nicht. Es hängt alles von Ihrer persönlichen Reaktion auf Lebensmittel ab.

HILDEGARD BRAUKMANN: Jeder Mensch reagiert auf Lebensmittel mit einem individuellen Blutzuckerspiegel.

Einfache Hacks für stabilen Blutzucker


Good News vorweg: Auch ohne Live-Messung mit CGM im Arm können Sie heute schon einige Biohacks für einen stabilen Blutzuckerspiegel umsetzen, jeden Tag:

1. Die richtige Reihenfolge beim Essen

Die Daumenregel lautet: Ballaststoffe zuerst, Eiweiß und Fett als Zweites, Stärke und Zucker zuletzt. Erst den Salat und das Gemüse essen ist der Gamechanger! Zwei Mahlzeiten mit denselben Zutaten, Mengen und Zubereitungsmethoden können sich durch diesen Hack völlig unterschiedlich auf unseren Körper auswirken. Wann immer möglich sollten Sie zuletzt das essen, was in Glukose umgewandelt wird. Ganz pragmatisch: Nicht das Sandwich in seine Einzelteile zerlegen, sondern schon beim Kochen ein wenig Rohkost snacken. Als Eiweißquellen eignen sich je nach Präferenz tierische und pflanzliche Quellen, wobei weiterhin gilt: Der Fisch- und Fleischkonsum sollte in Maßen erfolgen. Alternativen auf pflanzlicher Basis sind Hülsenfrüchte wie Soja, Bohnen, Linsen und Erbsen. Das Ziel sind 0,8 g Proteinaufnahme pro Tag pro kg Körpergewicht.

2. Blutzuckersenker Apfelessig

Als Gesundheitsallrounder ist Apfelessig schon lange beliebt. Neuere Studien haben ergeben, dass er auch zur Senkung des Blutzuckerspiegels beitragen kann. Apfelessig soll die Glukoseaufnahme in den Muskel nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit verbessern und so zur Stabilisierung des Blutzuckerspiegels beitragen.

Zwei Möglichkeiten, Apfelessig zu konsumieren:
1. Trinken Sie 20 Minuten (dieser Abstand ist wichtig!) vor der Mahlzeit einen Esslöffel Apfelessig mit einem Glas Wasser. Gern mit einem Schuss Zitrone.
2. Statt eines vorgefertigten Salatdressings können Sie Ihr eigenes mit Apfelessig machen. Hier an den Hack Nummer 1, Veggie Starter, denken.

Wichtig: Es muss Apfelessig sein – kein Balsamicoessig, der häufig Zucker enthält.

3. Bewegungshappen nach der Mahlzeit

Bewegen Sie sich nach den Mahlzeiten – jede Bewegung hilft! Schon ein 10- bis 15-minütiger Spaziergang nach dem Essen macht einen massiven Unterschied. Ihre Muskeln nehmen die Glukose aus dem Blut direkt auf und verarbeiten diese Energie.
Den Müll runterbringen, ein Tänzchen zum Lieblingssong einlegen, mit dem Kaffee um den Block laufen, 10 Kniebeugen machen: Alles zählt. Bei der Arbeit klappt es auch: Walking Meeting, einen Block weiter zum Mittagessen gehen, die Treppe nehmen. Die Wadenmuskeln im Meeting trainieren. Seien Sie kreativ!

4. Süßes ist Dessert

Vermeiden Sie es, Süßes auf nüchternen Magen zwischendurch zu snacken oder ohne die Kombination mit Proteinen und Fetten (griechischer Joghurt auf einem Kuchenstück wirkt Wunder!). Unsere Geschmacksnerven wissen eigentlich schon Bescheid: Was süß schmeckt, wird auch den Blutzucker ansteigen lassen. Deshalb erst nach einem ballaststoffreichen Mahl den Nachtisch genießen, ohne Achterbahnfahrt.

Übrigens gilt das auch für Obst: je süßer, je verarbeiteter, desto mehr wird der Blutzucker steigen. Je natürlicher (Apfel statt Apfelsaft, frische Frucht statt getrocknete), desto besser. Durch die enthaltenen Ballaststoffe wird Zucker aus Obst langsamer aufgenommen als z. B. aus einer Tafel Schokolade und das Sättigungsgefühl setzt früher ein. Smoothies sind hier eine riesige Falle – denn wir nehmen viel schneller deutlich mehr Zucker zu uns, als wir eigentlich essen würden. Beim Selbermachen: Mehr Gemüse als Obst integrieren (das gilt generell für die berühmten „5 a day“!) und zusätzlich Proteine und Fette (Samen, Proteinpulver, Nussmus, Nüsse) hinzufügen. Das liebt unser Blutzucker – und hält satt.

Fazit:


Gesundes Abnehmen erfordert mehr als das bloße Zählen von Kalorien. Die Regulation des Blutzuckerspiegels ist entscheidend, um Insulin effektiv zu nutzen und die Fettverbrennung zu fördern. Eine Ernährung, die den Blutzuckerspiegel stabil hält, beinhaltet kluge Hacks und die richtige Balance von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten auf dem Speiseplan. Dies hilft, nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.

Sie merken schon: Während das Zählen von Kalorien eine unerfüllbare Aufgabe zu sein scheint, ist das blutzuckerfreundliche Essen das Gegenteil einer „Diät“, die mit Verboten und Regeln arbeitet. Denn blutzuckerfreundliche Gerichte sind reichhaltig, geschmackvoll, ballaststoffreich für langfristige Darmgesundheit. Kohlenhydrate können mit Proteinen und Fetten verkleidet werden. Das Beste daran ist, dass das Erreichen eines gesunden Gewichts ein Nebenprodukt ist. Denn der Körper bekommt, was er braucht.

Was ist eigentlich mit Zuckerersatzstoffen:


Hier ist die Forschung in vollem Gange. Es gibt künstliche Süßungsmittel, die Glukose und Insulin spiken lassen, wie es Zucker tut. Diese sollten vermieden werden, um Heißhungerattacken vorzubeugen. Aspartam, Maltitol, Sucralose oder Xylit zählen dazu. Andere wirken auf GLP-1, sodass wir uns satter fühlen, ohne die Glukose zu spiken. Allulose und Stevia zählen zu dieser Gruppe. In Maßen sind alle Zuckerersatzstoffe besser als purer Zucker. Viel wichtiger: Essen Sie Süßes als Dessert, nehmen Sie es als etwas Besonderes wahr und versuchen Sie schon beim Frühstück, auf extra Süße zu verzichten.

Auch die Haut strahlt von innen

Was Sie unbedingt noch wissen sollten: Ein „Spike“ durch übermäßige Glukoselast führt auf Zellebene dazu, dass die Mitochondrien, unsere Zellkraftwerke überlastet werden und freie Radikale produzieren. Diese schädigen unsere Zellen, verursachen oxidativen Stress und Entzündungen, die der Ursprung vieler Erkrankungen sind. Spikes bedeuten auch Hautalterung durch Glykation („Verzuckerung“), bei der sich überschüssige Glukosemoleküle unkontrolliert an Proteine anlagern und so die Struktur von Kollagen und Elastin beeinträchtigen. Dies beschleunigt den natürlichen Hautalterungsprozess und führt zu Faltenbildung.
Glykation wird vor allem dann zu einem Problem, wenn sie aufgrund übermäßigen und unbewussten Glukosekonsums kontinuierlich stattfindet. Der wertvollste Tipp für natürlich schöne und gesunde Haut ist eine vielseitige und ausgewogene nährstoffreiche Ernährung. Das Monitoring Ihres Blutzuckerspiegels, wie es mit HELLO INSIDE möglich ist, ist entscheidend, um einen frischen und gesunden Teint zu bewahren. Statt viel Geld für teure Spritzen auszugeben, lohnt es sich, in gesunde Lebensmittel, eine auf Ihren Hauttyp abgestimmte Pflege und ein CGM-Gerät zu investieren.

Frau Dr. Anne Latz, Ärztin für Psychosomatik und Psychotherapie, schreibt für HILDEGARD BRAUKMANN über Blutzucker.

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